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Bluthochzeit

Arkadas-Theater

Die sandfarbenen Leinentücher auf den großen Stufen reflektieren das warme Licht mediterraner Länder. Doch die Stimmung auf der Bühne des Arkadas-Theaters ist nicht wirklich heiter. Die Kleidung der Darsteller ist schwarz, ihre Mienen sind ernst, denn sie haben eine tragische Geschichte zu erzählen. Mit dem Stück “Bluthochzeit“ hat der spanische Autor Frederico García Lorca eine Zeitungsmeldung aus dem Jahre 1928 über das Verschwinden einer Braut und den mysteriösen Tod ihres Vetters zu einer Tragödie verdichtet. Mit einer vielschichtigen und ausgewogenen Inszenierung weiß RegisseurChristos Nicopoulos die Atmosphäre des Stücks auf die Bühne zu zaubern und den kritischen Blick des Autors auf die spanische Gesellschaft Anfang des letzten Jahrhundertsspürbar zu machen. Es gibt kein Entkommen für die Figuren, keinen Abgang von der Bühne. Alle Darsteller hocken auf den Stufen im Hintergrund. Die jeweils agierenden Figuren treten hervor. Nur einige Menschen trennen sie von dem Rest der Gruppe. Die funktioniert nach dem schlichten wie strikten Regeln des Patriarchats. Männer gehen aus dem Haus und kämpfen, Frauen bleiben im Heim am Herd. Und wenn die Darsteller auf den Stufen als eine Art griechischer Chor gewisse Sätze der Figuren wiederholen, sind sie wie eine Kirchengemeinde, die die unumstößlichen Regeln der Gesellschaftsordnung nachbetet. Gesang bringt Leidenschaft ins Spiel, und ein schauriges Wiegenlied lässt das Publikum bereits erahnen, dass jemand aus der Enge des Verhaltenscodex ausbrechen wird. Es ist ein starkes Schauspieler-Team, das diesen Part übernimmt und der Braut und ihrem heimlichen Liebhaber zu Charisma verhilft. Die Puck-Gewinnerin 2006, Ivana Langmajer, verleiht der Braut mit ihrer ausdrucksvollem Mimik und Körpersprache unglaubliche Überzeugungskraft. Aydin Isik ist als ihr Liebhaber Leonardo ein hinreißendes Opfer seiner selbst und der eigenen Erziehung, ein Macho, der daran scheitert, dass ein Mann tut, was er nun einmal tun muss. Und wenn eine wunderbare Bettina Muckenhaupt rührend-romantisch als Brautmutter mit ihrer Tochter mitliebt oder die Mutter des Bräutigams (Ursula Michaelis) wie bei einem Viehhandel das Gebiss ihrer zukünftigen Tochter in Augenschein nimmt, sorgt Komik für ein heiteres Gegengewicht im tragischen Verlauf und verhilft der starken Inszenierung zusätzlich Tiefe.

Quelle: Kölner 12/08, Bühne Tippmagazin - Aufführung des Monats

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